Grünes Licht für E-Scooter UND CO. 1)

Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) 2) am 15. Juni 2019.

Junge Frau mit E-Scooter

Elektrokleinstfahrzeuge mit Lenk- oder Haltestange können nun auch in Deutschland am Straßenverkehr teilnehmen, sofern sie die Voraussetzungen der eKFV erfüllen.  Für die einzelnen Modelle muss eine Betriebserlaubnis erteilt werden.

Mit der Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung wurde auch die bisherige Mobilitätshilfenverordnung vom 16. Juli 2009 (BGBl. I S. 2097) außer Kraft gesetzt. Damit werden die sog. „Segways“ auch von der neuen eKFV erfasst.

Eckpunkte der eKFV





FAQ – häufige Fragen3)

Begriff Elektrokleinstfahrzeuge

Wenn wir über Mikromobilität sprechen, sprechen wir über kleinere Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb, wie z. B. elektrische Tretroller, E-Scooter, Segways oder auch Hoverboards und E-Skateboards[1]. Diese werden unter dem Oberbegriff „Elektrokleinstfahrzeuge“ zusammengefasst.

Die Fahrzeuge sind batteriebetrieben und somit emissionsfrei. Die Besonderheit einer Vielzahl dieser Fahrzeuge liegt zudem in ihren meist kleinen Ausmaßen und ihrem geringen Gewicht, wodurch sie falt- und tragbar ausgestaltet sein können. Diese Eigenschaften ermöglichen den Nutzern die Mitnahme der Fahrzeuge, weshalb diese einen besonderen Mehrwert zur Verknüpfung unterschiedlicher Transportmittel und zur Überbrückung insbesondere kurzer Distanzen (sogenannte „Letzte-Meile-Mobilität“) darstellen.

Damit sollen neue Wege moderner, umweltfreundlicher und sauberer Mobilität in unseren Städten ermöglicht werden.

Notwendigkeit einer nationalen Regelung?

Auf europäischer Ebene gilt seit Januar 2016 die neue Typgenehmigungsverordnung (EU) Nr. 168 / 2013 für 2-, 3- oder 4-rädrige Fahrzeuge. Diese schließt selbstbalancierende Fahrzeuge mit und ohne Sitz ausdrücklich von ihrem Anwendungsbereich aus.

SegwaysIn Deutschland konnten bisher nur bestimmte selbstbalancierende Mobilitätshilfen –  z. B.  sogenannte „Segways“ – über die Mobilitäts-hilfenverordnung (MobHV) im öffentlichen Straßenverkehr genutzt werden. Daher hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erarbeitet, um Elektrokleinstfahrzeugen typunabhängig die Teilnahme am öffent-lichen Straßenverkehr zu ermöglichen.

Wo darf mit Elektrokleinstfahrzeugen gefahren werden?

Sofern ein baulich angelegter Radweg oder ein Radfahrstreifen vorhanden ist, müssen Elektrokleinstfahrzeuge diesen benutzen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Radverkehrsanlage für Rad Fahrende benutzungspflichtig ist oder nicht. Wenn baulich angelegte Radwege oder Radfahrstreifen fehlen, darf mit Elektrokleinstfahrzeugen auch die Fahrbahn benutzt werden.

Auch wenn der Motor ausgeschaltet wird, darf nur auf den vorgesehenen Verkehrsflächen gefahren werden. Es ist nicht möglich, während des Betriebs eines Fahrzeugs die Fahrzeugart zu wechseln, beispielsweise durch das Ausschalten des Motors, um damit etwa einen Gehweg zu befahren.

Alter – Führerschein?

Elektrokleinstfahrzeuge können ab einem Alter von 14 Jahren, ohne Mofa-Prüfbescheinigung oder Führerschein, genutzt werden.

Versicherung?

eKFV - KennzeichenpflichtElektrokleinstfahrzeuge sind Kraftfahrzeuge und somit versicherungspflichtig. Wegen der kleinen Ausmaße und der Besonderheiten in der baulichen Ausführung wurde für diese Fahrzeuge eine kleine Versicherungsplakette zum Aufkleben eingeführt.

Unterschied zu Pedelecs, S-Pedelecs und Leichtmofas?

Beim Pedelec handelt es sich um ein Fahrzeug mit einem Elektro-Hilfsantrieb, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Geschwindigkeit progressiv verringert. Das heißt, sobald eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht wird oder der Fahrende mit dem Treten aufhört, wird der Hilfsantrieb automatisch unterbrochen. Das Unterscheidungsmerkmal eines Pedelecs ist somit, dass der elektrische Motor zusätzlich zur Muskelkraft und nur unterstützend wirkt. Solche Fahrzeuge sind verkehrsrechtlich den Fahrrädern gleichgestellt.

Bei sogenannten S-Pedelecs handelt es sich um Kraftfahrzeuge mit Elektro-Hilfsantrieb, die bei kombiniertem Einsatz von Muskel- und Motorkraft eine Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h erreichen und daher als Kleinkraftrad eingestuft werden. Es gilt Helm-, Führerschein-, Versicherungs- und Straßenbenutzungspflicht.

Elektrokleinstfahrzeuge sind in diesem Sinne eine neue Klasse von Fahrzeugen, da sie ausschließlich durch den elektrischen Motor angetrieben werden.

Schneller als 20 km/h?

Die Zulassung solcher Fahrzeuge zum öffentlichen Straßenverkehr ist derzeit nicht vorgesehen.

Helmpflicht?

Schütze dein Bestes.Für Elektrokleinstfahrzeuge nach der eKFV gilt keine Helmpflicht. Wir empfehlen jedoch, auch bei der Nutzung von Elektrokleinst-fahrzeugen einen Radhelm zu tragen!

Bisher zugelassene Elektrokleinsfahrzeuge, z. B. „Segways“?

Die Mobilitätshilfenverordnung (MobHV) wurde durch die neue Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung abgelöst. Die danach erteilten Genehmigungen behalten jedoch ihre Gültigkeit. Seit Inkrafttreten der neuen Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung werden die darin enthaltenen Regelungen auch für die bereits zugelassenen Fahrzeuge angewendet.

Nachrüstung – bereits bestehende Erlaubnisse?

Seit Inkrafttreten der Verordnung können die Hersteller für Fahrzeuge, die die Anforderungen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erfüllen, beim Kraftfahrt-Bundesamt eine Allgemeine Betriebs-erlaubnis (ABE) beantragen.

Bereits in den Handel gebrachte Fahrzeuge, die der Verordnung nicht entsprechen, können durch den Hersteller nachgerüstet werden, damit diese den Anforderungen der neuen Verordnung entsprechen.

Fahrzeuge, die der Verordnung entsprechen, aber nicht vom Hersteller mit einer nachträglichen Allgemeinen Betriebserlaubnis versehen werden, können auch vom jeweiligen Besitzer über eine Einzelbetriebserlaubnis in den Verkehr gebracht werden, sofern die entsprechenden technischen Anforderungen erfüllt werden.

Im Vorgriff auf die eKVF wurden für die E-Scooter „Metz-Moover“ und „BMW X2Citx“ auf der Grundlage einer Beurteilung nach der Leichtmofa-Verordnung jeweils eine Allgemeine Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrtbundesamt erteilt. Diese Erlaubnisse gelten zeitlich befristet bis einen Monat nach Inkrafttreten, also bis zum 15.07.2019. Es ist davon auszugehen, dass die ABE danach auf eine Genehmigung nach der eKFV übertragen werden.

Mitnahme in ÖPNV?

Mitnahme von E-Scootern im ÖPNVDas Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur befürwortet die Mitnahme von Elektrokleinstfahrzeugen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), kann dazu allerdings nicht verpflichten. Über die Beförderungsbedingungen entscheidet das jeweilige Verkehrsunternehmen.

Grundsätzlich richtet sich die Mitnahme im ÖPNV nach den Vorschriften zur Beförderung von Sachen. Details können § 11 der Verordnung über die Allgemeinen Beförderungsbedingungen für den Straßenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen (Bef BedV) bzw. ggf. den besonderen Beförderungsbedingungen des jeweiligen Verkehrsunternehmens entnommen werden. Auch hinsichtlich der Beförderung durch Eisenbahnverkehrsunternehmen können Regelungen zur Mitnahme ggf. den jeweiligen Beförderungsbedingungen des Unterneh-mens entnommen werden.

Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer?

Die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung ist eine ausgewogene Lösung zwischen der Einführung neuer Mobilitätsformen einerseits und der Gewährleistung der Verkehrssicherheit andererseits. Dies betrifft alle Verkehrsteilnehmer. Zusätzlich wird die Umsetzung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung durch die Bundesanstalt für Straßenwesen wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Die Elektrokleinstfahrzeugverordnung im Detail – Bundesgesetzblatt

Unsere Infokarte zu Elektrokleinsfahrzeugen finden Sie in unserem Shop


1) Abgrenzung:
Der E-Scooter beziehungsweise Elektro-Tretroller wird fälschlicherweise oft als E-Roller bzw. Elektroroller bezeichnet. Bei Letzterem handelt es sich jedoch um den deutlich leistungsstärkeren Elektromotorroller, eine elektrische Variante des klassischen Motorrollers.

2) Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr und zur Änderung weiterer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften Quelle: Bundesgesetzblatt Jahrgang 2019 Teil I Nr. 21, ausgegeben zu Bonn am 14. Juni 2019

3) Inhalte überwiegend aus www.bmvi.de

4) Hoverboards und E-Skateboards gehören zwar zu den Elektrokleinstfahrzeugen, sie werden von der eKFV nicht erfasst, da sie nicht mit Lenk- oder Haltestangen ausgestattet sind. Ihr Betrieb im öffentlichen Straßenverkehr ist somit weiterhin nicht erlaubt.

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