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Ab 01.11.2014 Ausrüstungspflicht für Neufahrzeuge  Reifendruckkontrolle (RDKS) und Schleuderschutz (ESP) Moderne Autos haben immer mehr Sicherheitssysteme an Bord, die Unfälle verhindern oder deren Folgen mindern können. Zwei davon sind jetzt vorgeschrieben. Neuwagen ohne Reifendruckkontrollsystem (RDKS) und Elektro- nisches Stabilitätsprogramm (ESP) sind ab dem 1. November 2014 nicht mehr zulassungsfähig. Die automatische Reifendruckkontrolle ist für alle typen- genehmigten Fahrzeuge der Klasse M1, also Personenkraftwagen und Wohnmobile, mit Erstzulassung ab November 2014, vorge- schrieben. Es gibt zwei Arten von RDKS: direkt und indirekt messende Systeme. Bei direkt messenden Systemen ist jeder Reifen mit eigenen Sensoren ausgestattet, die Reifendruck und Temperatur messen und über Funk an das Fahrzeug weitergeben. Bei zu niedrigem Reifendruck wird der Fahrer gewarnt.     Die ESP-Pflicht gilt, mit wenigen Ausnahmen, für die Klassen M, N und 0 – das sind Pkw, Lastwagen, Busse und Anhänger. Indirekt messende Systeme nutzen die vorhandenen Sensoren des Antiblockiersystems (ABS) und des Schleuderschutzes (ESP) und stellen so Veränderungen des Reifendrucks anhand der Raddrehzahl fest. Bereits 1995 hatte Mercedes als erster Autobauer das Elektronische Stabilisierungsprogramm in seine S-Klasse eingebaut – von ihm stammt übrigens auch die gängige Abkürzung, bei anderen Herstellern heißt das System zum Beispiel DSC, VSC oder DSTC. Das System wirkt durch Ab-bremsen einzelner Räder dem Ausbrechen des Fahrzeugs entgegen. Was geschieht mit Neuwagen ohne die Systeme bei den Händlern? Nach der EU-Verordnung Nr. 661/2009 müssen seit dem 1. November 2011 alle neu homologierten1  Fahrzeug- modelle mit einem Elektronischen Stabilitätsprogramm und seit 1. November 2012 auch mit einem Reifen- druckkontrollsystem ausgestattet sein. Neufahrzeuge, die die EU-Verordnung nicht erfüllen und nicht einfach nachgerüstet werden können, brauchen eine Erstzulassung vor dem 1. November 2014. Händler können dafür eine Tageszulassung nutzen – diese Fahrzeuge gibt es dann mit null Kilometern auf dem Zähler meist günstiger. Das spätere Ummelden oder Wiederzulassen macht hingegen keine Probleme, denn gem. StVZO gilt der Grundsatz, dass Fahrzeuge immer die Vorschriften erfüllen müssen, die zum Zeitpunkt Ihrer Erstzulassung gegolten haben. Dass Neuwagen durch die EU-Verordnung generell teurer werden, sehen die Experten nicht, die meisten neuen Pkw haben laut TÜV bereits serienmäßig ESP an Bord. Nur im Kleinwagenbereich ist dies manchmal ein Extra mit Zusatzkosten von etwa 300 bis 500 Euro. Auch RDKS bauen die meisten Hersteller seit einiger Zeit ab Werk ein. Muss ein direkt messendes RDKS nachgerüstet werden, können nach Einschätzung des ADAC 250 bis 300 Euro für die Sensoren plus etwa 50 Euro für Einbau und Programmierung fällig werden. Diese Kosten fallen auch für Winterräder an, die mit RDKS- Sensoren ausgestattet werden müssen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) begrüßt die RDKS- und ESP-Pflicht. „Die vielen Reifenteile, die man auf den Autobahnen sieht, stammen in der Regel von Fahrzeugen, die mit zu geringem Luftdruck unterwegs waren“, gibt Welf Stankowitz, DVR-Experte für Fahrzeugtechnik, zu bedenken. Und mangelnder Luftdruck gehe auch zu Lasten des Bremswegs und der Fahrstabilität. Da das ESP schon lange im Einsatz ist, haben laut Stankowitz inzwischen viele Untersuchungen gezeigt, dass dieses System Unfälle verhindert oder zumindest deren Folgen mildert. Die ESP-Pflicht schließe eine Gefahren- lücke. Quellen: verschiedene, u. a. Schwarzwälder Bote Kleinanzeiger (44. KW 2014) Die passive Sicherheit von Fahrzeugen wird ständig durch gesetzliche Vorgaben und Umsetzung der Forschungsergebnisse der Fahrzeughersteller verbessert. Die Fahrzeuginsassen werden da-durch „im Falle eines Falles“ immer besser geschützt. Trotz ständiger technischer Entwicklungen gibt es weiterhin physikalische Grenzen, bei denen weder Stabilisierungsprogramme noch die eingebauten „Lebensretter“ wie Gurt und Airbag Verkehrsunfälle verhindern und Unfallfolgen vermeiden können. Diese Grenzen überschreitet regelmäßig der Mensch, insbesondere durch zu hohe bzw. nicht angepasste Geschwindigkeiten. In Deutschland stirbt etwa alle 7 Stunden ein Mensch bei einem sogenannten „Raserunfall“. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist regelmäßig der traurige „Spitzenreiter“ der Unfallursachen bei tödlichen Verkehrsunfällen. Bereits wenige Kilometer zu schnelles Fahren können über Leben oder Tod entscheiden. Wer rast, riskiert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen. Beachten Sie deshalb immer Tempolimits! Passen Sie Ihre Fahrweise insgesamt den Straßen- und Witterungsverhältnissen an! 1 Umfangreiche Zulassungsprozedur, mit der auf der Basis geltender Zulassungsvorschriften überprüft wird, ob die Leistungsmerkmale so beschaffen sind, dass diese zugelassen werden können (europäische Typenzulassung – damit können Fahrzeuge ohne weitere Prüfung in jedem EU-Mitgliedstaat zugelassen werden). Homologiert kann umgangssprachlich als „freigegeben“ interpretiert werden.