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Rechtsfahrgebot auf Autobahnen und mehrspurigen Kraftfahrstraßen § 2 StVO Die Diskussion um das richtige Verhalten wird leider häufig gefühlsbetont geführt. Dabei ist von „Rasen, Drängeln, Bummeln, Nerven, Schleichen, Schlafen, Trödeln, Blockieren, Ärgern, Behindern“ die Rede. Der Hintermann schimpft, hupt und verringert den Abstand, der Vordermann verharrt, bremst, belehrt und diszipliniert oder fährt einfach unbekümmert weiter. Die Folgen: Stress bei den beteiligten Fahrzeuginsassen, wüste Beschimpfungen, riskante Fahrmanöver, Gefährdung von Beteiligten und Unbeteiligten, Unfälle mit Personen- und Sachschaden, Warten auf die Rettungsdienste, Stau auf der Autobahn, Rechtsstreit um die Schuld- und Haftungsfragen und …   Menschen, die alltäglich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer bemüht sind, sehen diese Entwicklung mit Sorge: Bestimmte Fahrzeugführer sind davon überzeugt, ohne Berücksichtigung der eigenen Fahrgeschwindigkeit und möglicher Behinderungen des Nachfolgeverkehrs, den Fahrstreifen auf der Autobahn nach eigenem Gutdünken auswählen zu dürfen. Andere möchten aus subjektiven Gründen möglichst schnell von „A“ nach „B“ kommen. Alles, was ihrem Fortbewegungsdrang hinderlich sein könnte, wird als unzulässig und unannehmbar empfunden. Dabei gilt auch hier der Grundsatz: Autobahnen sind nur so sicher und zuverlässig wie die Fahrer, die sie benutzen. Wer am Straßenverkehr teilnimmt, gefährdet als Teilnehmer der Verkehrsgemeinschaft „automatisch“ andere! Die Versicherungen haben aus diesem Regelsatz die so genannte Gefährdungshaftung des Kraftfahrzeugführers - auch ohne dessen Verschulden -, längst im Haftungsrecht durchgesetzt. So sind wir als motorisierter Verkehrsteilnehmer Teil der Gefahrengemeinschaft im Straßenverkehr. Damit die Interessen der Beteiligten nicht ständig kollidieren, wartet die Straßenverkehrsordnung einerseits mit zahlreichen Verkehrsregeln auf. Andererseits kann eine Verbesserung des Verkehrsklimas nur in dem Maß eintreten, wie partnerschaftliches, vorsichtiges und umsichtiges Verhalten, also eine gegenseitige Rücksichtnahme, bei den Verkehrsteilnehmern einkehren. Was sagt das Gesetz? Nach § 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist möglichst weit rechts zu fahren. Bei mehreren Fahrstreifen für eine Richtung darf nach § 7 StVO von diesem Grundsatz abgewichen werden, wenn dies durch die Verkehrsdichte ge-rechtfertigt ist.       Welche Bedeutung hat die Standspur / der rechte Seitenstreifen? Die „Standspur“ darf nicht mit der so genannten „Kriechspur“ verwechselt werden. Auch wenn die Standspur häufig hinsichtlich des Fahrbahnbelags, der Breite und des Ausbauzustandes von den anderen Fahrstreifen kaum zu unterscheiden ist, zählt sie nicht zu der Fahrbahn für den Fahrverkehr. Sie ist ein Not- oder Pannenstreifen, abgegrenzt durch eine durchgehend weiße Linienmarkierung. Auch wenn gelegentlich das Befahren durch äußerst langsame Fahrzeuge, vorwiegend an Steigungsstrecken, geduldet ist, darf die Benutzung mit Hinweis auf das Rechtsfahrgebot nicht eingefordert werden. Nach der Straßenverkehrs-Ordnung kann seit 1. Januar 2002 an stark überlasteten Autobahnabschnitten durch besondere Wechselverkehrszeichen (Zeichen 223.1 bis 223.3) der Seitenstreifen in Zeiten hoher Verkehrsbelastung zum Befahren freigegeben werden. Die „Kriechspur“ ist dagegen Teil der Fahrbahn. Besonders langsam fahrende Fahrzeuge sollten (nicht zwingend) auf diese Spur ausweichen. Die Kriechspur ist durch eine unterbrochene, regelmäßig breit ausgeführte Fahrbahnmarkierung zu erkennen. Wie langsam darf gefahren werden? Ohne triftigen Grund dürfen gem. § 3 StVO Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern. „Triftig“ kann ein Anlass aus persönlichen, subjektiven Gründen (Beispiel Unwohlsein eines Mitfahrers) oder aus objektiven Gründen, z.B. wegen technischem Defekt, sein. Jedenfalls ist in diesen Fällen möglichst weit rechts zu fahren. Wann ist das Wechseln auf den rechten Fahrstreifen zumutbar? Hierzu gibt es keine einfache Erklärung. Folgende Verkehrsvorgänge können zwischen Vorausfahrer und Nachfolger zu Konflikten führen. Überholen: Nach § 5 StVO darf nur überholen, wer mit wesentlich höher Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt. Auch wenn es an eindeutigen Angaben zum Wert der Differenzgeschwindigkeit mangelt, geht die Rechtsprechung davon aus, dass eine um 20 km/h höhere Geschwindigkeit ausreicht. Der Überholer selbst darf dabei den nachfolgenden Verkehr nicht gefährden. Er muss damit rechnen, dass der ihm nachfolgende Verkehr mit hoher Geschwindigkeit aufschließt. Darauf, dass der nachfolgende Verkehr die Richtgeschwindigkeit einhält, darf nicht vertraut werden. Nach Erreichen des notwendigen Sicherheitsabstandes zum Überholten - entspricht etwa dem halbem Tachostand – hat sich der Überholer so bald wie möglich wieder rechts einzuordnen. Dazu muss jedoch die Lücke zwischen den rechts fahrenden Fahrzeugen groß genug sein. Kann der Überholende mit seiner Fahrgeschwindigkeit nicht für mindestens 10 Sekunden sicher in eine Lücke des rechten Fahrstreifens einscheren, darf er links bleiben. Beispiel: Bei einer Überholgeschwindigkeit von 120 km/h werden pro Sekunde ca. 33 Meter zurückgelegt. Zu den errechneten 330 Metern (in 10 Sekunden) sind jeweils die Sicherheitsabstände zum Überholten und Vorausfahrenden hinzuzurechnen. Fahren die zu überholenden Fahrzeuge ca. 100 km/h, sind somit etwa 100 Meter an Sicherheitsabstand hinzuzufügen. Dies ergibt einen Abstand zwischen den Fahrzeugen von ca. 430 Metern. Bei entsprechend höheren Geschwindigkeiten vergrößern sich die Abstände. Nur wenn der Überholer diese Regel strikt beachtet, können die Leistungsfähigkeit der Autobahnen erhalten und aggressives Verhalten der Nachfolger reduziert werden. Selbstverständlich wird diese Wirkung verbessert, je früher der Überholer – ohne den Überholten zu behindern -, nach rechts einschert. Sind drei oder mehr Fahrstreifen in eine Richtung vorhanden, darf der zweite Fahrstreifen von rechts durchgehend befahren werden, wenn auf dem rechten Fahrstreifen nur hin und wieder Fahrzeuge fahren. Ganz wichtig - jeder Überholer ist meist auch Vorausfahrer. Wer regelmäßig alle acht bis zehn Sekunden in den Rückspiegel schaut, wird nicht von schnellen Aufrückern überrascht.     Was hat der Nachfolgende zu beachten: Der Vorausfahrende darf niemals ohne zwingenden Grund stark bremsen, dennoch muss der Nachfolgende seinen Abstand so bemessen, dass er noch anhalten kann, wenn plötzlich gebremst wird. Auch hier gilt der Richtwert: Halber Tachoabstand! Kein Verkehrsteilnehmer hat ein auf „Meterangaben“ fixiertes Augenmaß. Dennoch darf er diese Richtwerte nur für kurze Zeit unterschreiten. Das „elastische“ Abstandsverhalten ist also alsbald an dem Richtwert anzupassen. Drängeln, also ein über mehrere Sekunden anhaltendes Unterschreiten des Mindestabstandes, ist nicht zulässig. Übrigens, das Überholen darf auf der Autobahn mit kurzen Licht- oder Schallzeichen angekündigt werden. Nicht jede Lichthupe ist also nötigendem Verhalten gleichzusetzen. Konsequenzen des Fehlverhaltens Falsches Verhalten von Vorausfahrer oder Nachfolger ist häufig die Ursache schwerer Verkehrsunfälle und riskanter Gefahrensituationen. Die verletzten Rechtsvorschriften können zu empfindlichen Geldstrafen, den Entzug der Fahrerlaubnis, aber auch zu zivilrechtlichen Konsequenzen führen. Für beide Parteien gilt: Der Straßenverkehr ist kein Raum und das Automobil kein Mittel, persönliche Machtkämpfe auszutragen. Es gilt nicht einen persönlichen Sieg zu erringen oder eine Niederlage zuzufügen. Im Ernstfall gibt es nur Verlierer: die Unfallopfer, die Unfallverursacher, das Leid der Angehörigen und all die Verkehrsteilnehmer im Stau, wenn es zum Verkehrsunfall durch Drängler, Raser oder Blockierer gekommen ist.