Unfallursachen
Vorfahrt für mehr Verkehrssicherheit Missachtung der Vorfahrt ist ein „Klassiker“ unter den  Unfallursachen Die Regeln zur Vorfahrt sind eigentlich jedem klar - oder? Häufig geht es nicht um das Beherrschen der Regeln, sondern um die falsche Einschätzung des Wartepflichtigen. "Das hat ja gerade noch gereicht!" sagen sich viele, wenn es beinahe zum Unfall gekommen wäre. Aber: Es hätte genauso "gut" auch schief gehen können! Nach § 8 Straßenverkehrsordnung hat Vorfahrt, wer an Kreuzungen und Einmündungen von rechts kommt. Dies gilt nicht, wenn die Vorfahrt durch Verkehrszeichen, Lichtsignale oder polizeiliche Weisungen besonders geregelt ist oder für Fahrzeuge, die aus einem Feld- oder Waldweg auf eine andere Straße kommen. In Baden-Württemberg und Deutschland zählt die Unfallursache "Vorfahrt und Vorrang" in den letzten Jahren regelmäßig zu den Hauptursachen bei Verkehrsunfällen, auch mit tödlichen Folgen. Unfälle, die aus einer Vorfahrtsverletzung  resultieren, sind häufig folgenschwer. Insbesondere außerhalb geschlossener Ortschaften ergeben sich aufgrund der höheren Fahrgeschwindigkeit entsprechend hohe Kontakt- und Aufprallgeschwindigkeiten. Das Verletzungs- und Schadensrisiko erhöht sich für die sogenannten „schwächeren“ Verkehrsteilnehmer wie Rad- oder Motorradfahrer, sofern eine Kollision mit einem Pkw oder Lkw stattfindet. Auch wenn grundsätzlich auf richtiges Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer vertraut werden darf, ist bei unübersichtlichen Verkehrssituationen erhöhte Aufmerksamkeit und eine vorsichtige Fahrweise erforderlich, um auf regel- oder verkehrswidriges Verhalten noch rechtzeitig reagieren zu können. Deshalb einfach mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen! Die Ursachen für Vorfahrtsverletzungen sind vielfältig und reichen von der falschen Einschätzung der Verkehrs- und Rechtslage bis zur Unaufmerksamkeit im entscheidenden Moment. Es werden Abstände und Fahrgeschwindigkeiten der bevorrechtigten Fahrzeuge falsch eingeschätzt oder aber zu früh auf das richtige Verhalten des Wartepflichtigen vertraut. Deshalb muss, wer die Vorfahrt zu beachten hat, rechtzeitig durch sein Fahrverhalten zu erkennen geben, dass er warten wird. Weiterfahren darf nur, wer übersehen kann, dass er den Vorfahrtsberechtigten weder gefährdet noch wesentlich behindert. Der Bevorrechtigte muss grundsätzlich zügig und unbehindert durchfahren können. Ihm sind aber unwesentliche Behinderungen, wie leichtes Gas wegnehmen oder Ausweichen, je nach Verkehrslage, durchaus zuzumuten.   Richtiges Verhalten von Bevorrechtigten und Wartepflichtigen Sind Sie sich über die geltende Vorfahrtsregel im Einzelfall nicht sicher oder ist die Verkehrslage für Sie unklar, sollten Sie so langsam fahren, dass eine Verständigung über die Abfolge des Weiterfahrens mit anderen Verkehrsteilnehmern möglich ist. Dies gilt auch, wenn Ihnen ein eindeutiges Vorfahrtsrecht offensichtlich nicht gewährt wird. Wer die Vorfahrt erzwingt, verhält sich selbst nicht korrekt, erhöht das Unfallrisiko und kann dadurch eigene Haftungsansprüche verlieren. ■  Das Vorfahrtsrecht erstreckt sich jeweils auf die gesamte Fahrbahn. Wer von einer untergeordneten Straße einbiegt, hat deshalb auf überholende Fahrzeuge zu achten, die auf der eigenen Fahrspur (nach dem eigenen Einbiegen) entgegenkommen können. ■  Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen, Schienenfahr-zeuge, Fahrräder mit Hilfsmotor und Fahrräder auch dann, wenn sie auf oder neben der Fahrbahn in der gleichen Richtung fahren. Dies gilt auch gegenüber Linienomnibussen und sonstigen Fahrzeugen, die gekennzeichnete Sonderfahrstreifen benutzen. Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen; wenn nötig, ist zu warten. ■  Kinder und ältere Menschen können oft die Verkehrslage nicht richtig einschätzen oder sind sich über die geltenden Verkehrsregeln unsicher. Bestehen Sie im Zweifelsfall nicht auf Ihr Vorrecht und vermeiden Sie durch rücksichtsvolles Verhalten eine Gefährdung dieser Personen. ■  Sind Kreuzungen und Einmündungen nicht übersichtlich oder ist die Verkehrslage nicht überschaubar und klar, darf mit geringer Geschwindigkeit und hoher Aufmerksamkeit in den Bereich eingefahren werden, bis die Verkehrslage überblickt und gefahrlos weitergefahren werden kann. ■  Fußgängerüberwege dienen Fußgängern zum gefahrlosen Überqueren der Straße. Wer als Fußgänger oder Rollstuhlfahrer erkennbar die Straße dort überqueren will, dem ist dies zu ermöglichen. Geben Sie Ihre Absicht, den Vorrang zu gewähren, durch rechtzeitiges Verringern der Geschwindigkeit und durch Blickkontakt zum Fußgänger zu erkennen. Gegebenenfalls muss das Fahrzeug angehalten und gewartet werden. ■  Regelt eine Lichtsignalanlage die jeweiligen Haltepflichten und Bevorrechtigungen der Verkehrsteilnehmer, darf nicht blind auf die Lichtsignale vertraut werden. Andere Fahrzeuge oder Fußgänger haben möglicherweise auch „Grün“. Achten Sie deshalb beim Abbiegen auf andere bevorrechtigte Verkehrsteilnehmer. Bedenken Sie, dass andere auch noch während der „Gelbphase“ fahren oder den Kreuzungs-/Einmündungsbereich noch nicht geräumt haben! Es ist nicht auszuschließen, dass andere Fahrer noch bei „Rot“ fahren und Ihre Fahrbahn möglicherweise deshalb noch nicht „frei“ ist! ■  Der sogenannte Grüne Pfeil erlaubt es, trotz roter Ampel, jedoch unter besonderer Vorsicht und vom rechten Fahrstreifen aus, nach rechts abzubiegen. Dieses Recht hat nur, wer sein Fahrzeug kurz an der Haltelinie anhält und sich vergewissert, dass ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer abgebogen werden kann. ■  Im Kreisverkehr haben die Fahrzeuge im Kreisel Vorfahrt! Wer in den Kreisverkehr einfahren will sollte sich vergewissern, ob ein blinkendes Fahrzeug auch tatsächlich aus dem Kreisverkehr ausfährt. Häufig wird immer noch fälschlicherweise beim Einfahren in den Kreisel geblinkt. Befindet sich auf der Zufahrt oder nach der Ausfahrt des Kreisverkehrs ein Fußgängerüberweg (Zebrastreifen), ist das Vorrecht der Fußgänger zu beachten. Kreuzt vor dem Kreisverkehr ein Radweg die Fahrbahn und ist das Vorfahrtsrecht nicht durch Verkehrszeichen geregelt, hat der Radverkehr die Vorfahrt des Fahrbahnverkehrs grundsätzlich zu beachten. Anders verhält es sich beim Verlassen des Kreisverkehrs. Hier muss bei fehlenden Verkehrszeichen an nahe am Kreisverkehr verlaufenden Radwegen der abbiegende Fahrzeugverkehr das Vorrecht der Radfahrer beachten. Bei innerörtlichen Kreisverkehren wird grundsätzlich angestrebt, Radwegen die nahe am Kreisverkehr angelegt sind, durch Verkehrszeichen Vorrang vor dem Kraftfahrzeugverkehr zu geben. Übrigens: Halten, Parken und Rückwärtsfahren ist innerhalb von Kreisverkehren verboten.   Das richtige Verhalten an abknickenden Vorfahrtsstraßen ■  Wer der abknickenden Vorfahrtsstraße folgt, biegt – je nach Kurvenverlauf – nach rechts oder links ab und muss dies durch den Fahrtrichtungsanzeiger rechtzeitig anzeigen. ■  Wer eine abknickende Vorfahrtstraße in gerader Fahrt verlässt, darf kein Blinkzeichen geben, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu irritieren. ■  Wer weder der abknickenden Vorfahrtsstraße folgt noch sie als Geradeausfahrer verlässt, sondern einem anderen Straßenverlauf folgt, gilt ebenfalls als Links- oder Rechtsabbieger und muss entsprechend die Fahrtrichtungsanzeiger betätigen. ■  Wird an einer links abknickenden Vorfahrtsstraße geradeaus weitergefahren, dürfen an der rechten Seite fahrende, der Vorfahrtstraße folgende Zweiradfahrer nicht gefährdet werden. ■  Münden gleich mehrere Straßen in eine abknickende Vorfahrtsstraße ein, bildet der davon betroffene Kreuzungsbereich eine Einheit. Auf der Vorfahrtsstraße Fahrende bleiben bevorrechtigt. Für jeden Verkehrsteilnehmer dürfte dabei klar sein, dass der von der untergeordneten Straße Einfahrende warten muss, wenn auf der Vorfahrtsstraße Verkehr herrscht. ■  Kommen Fahrzeuge von mehreren untergeordneten Straßen, gilt untereinander im Kreuzungsbereich wieder die Vorfahrtsregel  „rechts vor links“. Dabei ist es unbeachtlich, ob an den untergeordneten Straßen  das Verkehrszeichen „Vorfahrt gewähren“ oder ein Stoppschild aufgestellt ist.   Einsatzfahrzeuge ■  Bei Einsatzfahrzeugen mit Sondersignalen (Blaulicht und Martinshorn) ist höchste Eile geboten. Ermöglichen Sie diesen Fahrzeugen ein zügiges Vorwärtskommen, in dem Sie freie Bahn schaffen und ihre eigene Fahrgeschwindigkeit der Lage entsprechend rechtzeitig verringern. Wo es möglich ist, weichen Sie nach rechts aus. Dies gilt auch, wenn Einsatzfahrzeuge entgegenkommen und im Begegnungsverkehr nicht ausreichend Platz zur Verfügung steht. Bei zwei Fahrstreifen in eine Richtung ist in der Mitte eine Gasse zu bilden, die rechts Fahrenden weichen nach rechts, die links Fahrenden nach links aus. Bei drei Fahrstreifen ist zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen eine Gasse zu bilden. Wenn sich die Polizei "quer stellt"! Die Weisungen der Polizei haben Vorrang vor allen Regelungen durch Ampeln oder Verkehrszeichen. "Zeigt der Polizist Dir Brust oder Rücken, musst Du auf die Bremse drücken!" Autobahnen und Kraftfahrtstraßen Bild: fotolia.com  ■  Beim Einfahren auf eine Autobahn oder Kraftfahrtstraße hat der Durchgangsverkehr Vorfahrt. Hier gilt kein Reißverschlussverfahren. ■  Fahrzeuge aus Feld- und Waldwegen, verkehrsberuhigten Bereichen (Spielstraßen) und Ausfahrten (Grundstücke, Parkplätze) sind stets wartepflichtig. ■ Gravierende Vorfahrtsfehler können ein Fahrverbot oder den Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge haben! Strafverfahren Nach § 315 c Strafgesetzbuch wird zum Beispiel mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren bestraft, wer im Straßenverkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos die Vorfahrt nicht beachtet oder an Fußgängerüberwegen falsch fährt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet. Ferner kann ein Fahrverbot verfügt oder die Fahrerlaubnis für mehrere Monate entzogen werden. Bußgeld ■ Nicht mit mäßiger Geschwindigkeit an die bevorrechtigte Straße    herangefahren und dabei den Vorfahrtberechtigten irritiert    Betrag:     10,00 € ■ Vorfahrt eines anderen missachtet und diesen dabei    wesentlich behindert            Betrag:     25,00 € ■ Die Vorfahrt des von rechts kommenden Fahrzeugs missachtet, so    dass ein Vorfahrtberechtigter gefährdet  wurde; 1 Monat Fahrverbot; Betrag:   100,00 € ■ Vorfahrt eines bevorrechtigten Fahrzeugs missachtet und    Unfall verursacht;           1 Monat Fahrverbot;       Betrag:   120,00 €
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