Arbeitsplatz Straße
Sozialvorschriften Rechtsgrundlagen für den gewerblichen Güter- und Personenverkehr Mangelnde Wachheit, Aufmerksamkeitsdefizite und Übermüdung sind wesentliche Einflussfaktoren für die Sicherheit im Straßen- verkehr. Der Schwerlast- und Reiseverkehr nimmt hierbei aufgrund der Massenkräfte, des drohenden Schadensausmaßes und der transportbedingten Fahrzeiten eine herausragende Stellung ein. Ist die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit als zwingende Voraussetzung zum sicheren Führen eines Kraftfahrzeugs geschwächt, führt dies zwangsläufig zu Einschränkungen der individuellen Verkehrstüchtigkeit. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und die Auswirkung auf die Verkehrssicherheit unberechenbar. Die bisherigen Möglichkeiten, die tatsächliche und momentane personale Leistungsfähigkeit des Kraftfahrers zu objektivieren, sind begrenzt. Zur Verringerung des müdigkeitsbedingten Sicherheitsrisikos setzt die Polizei deshalb vorrangig auf Information und Aufklärung. Allerdings sind das Einhalten der höchstzulässigen Arbeits- Lenk- und Ruhezeiten durch das Fahrpersonal und deren Überwachung durch die Kontrollbehörden ebenso unerlässlich. Dienen diese Vorschriften doch dem Arbeitsschutz der Kraftfahrer, der Harmonisierung im Wettbewerb der Unternehmen und nicht zuletzt der Verkehrssicherheit aller.  Solange jedoch eindeutige Indikatoren zur Feststellung des Wachheits- oder Müdigkeitsgrades fehlen, sind die Belange der Verkehrssicherheit umso mehr der individuellen Sorgfaltspflicht und persönlichen Einschätzung der Kraftfahrer und Unternehmer überantwortet. Hier finden Sie einen Überblick zu den wichtigsten Sozialvorschriften. VO (EWG) 561/2006 VO (EWG) 3821/85 Fahrpersonalgesetz Fahrpersonalverordnung Arbeitszeitgesetz Gesetz zur Regelung der Arbeitszeit von selbständigen Kraftfahrern VO (EWG) Nr. 3314/90 VO (EG) Nr. 1073/2009 AETR-Abkommen Bei welchen Beförderungen sind die Vorschriften für das Fahrpersonal zu beachten? Güterbeförderung Fahrzeuge mit oder ohne Anhänger/Sattelanhänger deren zGM > 3,5 t beträgt und zur Güterbeförderung eingesetzt sind. Diese Fahrzeuge sind grundsätzlich mit einem EG- Kontrollgerät auszustatten. Fahrzeuge deren zGM > 2,8 t < 3,5 t beträgt. (Ausstattung mit EG-Kontrollgerät, Fahrtschreiber oder manuelle Aufzeichnungen möglich). Wenn Kontrollgerät oder Fahrtschreiber eingebaut sind, muss das jeweils eingebaute Gerät korrekt betrieben werden. Personenbeförderung Vorschriften zur Personenbeförderung sind zu beachten bei Fahrzeugen, die dazu geeignet und bestimmt sind, einschließlich Fahrer mehr als 9 Personen zu befördern. Kurzübersicht zu den Lenk- Ruhe- und Arbeitszeiten des Fahrpersonals  Lenkzeit Die Lenkzeit umfasst die reinen Tätigkeiten am Steuer. Dazu gehören auch kurze verkehrsbedingte Wartezeiten, z.B. an einer roten Ampel oder im Stau.   Tägliche Lenkzeit 2 x wöchentlich Lenkzeit zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten höchstens Lenkzeit in zwei aufeinander folgenden Wochen höchstens   Der Begriff Woche umfasst den Zeitraum von Montag, 00.00 Uhr, bis Sonntag, 24.00 Uhr. Die Summe der täglichen und wöchentlichen Lenkzeiten errechnet sich aus allen Lenkzeiten innerhalb der/des EU/EWR und im Hoheitsgebiet von Drittstaaten. Unterbrechung der Lenkzeit Lenkzeitunterbrechung heißt: Es darf für mindestens 15 Minuten das Fahrzeug nicht gelenkt und auch keine andere Arbeit (z.B. Be- oder Entladen) durchgeführt werden. Dabei sind mindestens folgende Unterbrechungszeiten zu beachten: Unterbrechung der Lenkzeit nach einer Lenkzeit von maximal 4,5 Stunden. Die Unterbrechung der Lenkzeit muss mindestens 45 Minuten betragen, sie ist aufteilbar in zwei Teilunterbrechungen. Hierbei muss die erste Unterbrechung mind. 15 Minuten und die zweite mind. 30 Minuten betragen. Ruhezeit Als Ruhezeit wird jeder ununterbrochene Zeitraum von mindestens drei Stunden angerechnet, in dem der Fahrer frei über seine Zeit verfügen kann (kann er nicht frei über seine Zeit verfügen, liegt keine Ruhezeit vor, z.B. wenn er sich als Mitfahrer im fahrenden Fahrzeug aufhält.). Tägliche Ruhezeit: Der Fahrer benötigt mindestens elf Stunden. Eine Verkürzung auf drei x wöchentlich neun Stunden zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten ist möglich, die fehlende Zeit muss nicht ausgeglichen werden. Es besteht eine Aufteilungsmöglichkeit an Tagen ohne Verkürzung. Die Ruhezeit kann in max. zwei  Abschnitte aufgeteilt werden. Hierbei erhöht sich die Ruhezeit auf insgesamt zwölf Stunden. Der erste Abschnitt muss mindestens drei Stunden und der anschließende neun Stunden betragen. Bei einer Zwei-Fahrer-Besatzung gilt eine besondere Regelung: o Jeder Fahrer benötigt neun Stunden Ruhezeit innerhalb von 30 Stunden o Auch bei der Zwei-Fahrer-Besatzung dürfen die Ruhezeiten nicht im fahrenden Fahrzeug verbracht werden. Die beiden Fahrer sollten deshalb die Ruhezeit gleichzeitig nehmen, wobei eine im Fahrzeug vorhandene Schlafkabine benutzt werden darf. Wöchentliche Ruhezeit: Innerhalb zwei aufeinander folgenden Wochen hat der Fahrer mindestens folgende Ruhezeiten einzuhalten: zwei regelmäßige wöchentliche Ruhezeiten (= 2 x 45 Stunden) oder eine regelmäßige wöchentliche Ruhezeit (= 45 Stunden) und eine reduzierte wöchentliche Ruhezeit (= mind. 24 Stunden). Die Reduzierung wird durch eine gleichwertige Ruhepause, die vor dem Ende der dritten Woche genommen werden muss, ausgeglichen. Sie ist an eine andere Ruhezeit von mindestens neun Stunden anzuhängen. Fällt eine wöchentliche Ruhezeit kalendermäßig in zwei Wochen, darf diese nur für eine der beiden Wochen gezählt werden. Die wöchentliche Ruhezeit ist nach sechs vollständigen Tageslenkzeiten, jedoch  spätestens am Ende von sechs  24-Stunden-Zeiträumen nach dem Ende der vorangegangenen wöchentlichen Ruhezeit, einzulegen. Arbeitszeit Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden, jedoch höchstens zehn Stunden. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden jedoch höchstens 60 Stunden. Nach § 21a des Arbeitszeitgesetzes darf innerhalb von vier Kalendermonaten oder 16 Wochen die wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich 48 Stunden nicht überschreiten. Lenkzeiten zählen zur Arbeitszeit.   Arbeitszeitnachweis: Die Schaublätter oder handschriftlichen Aufzeichnungen (nur bei Kfz über 2,8 bis 3,5 t zulässig) des laufenden Tages und der voraus- gegangenen 28 Kalendertage sind vom Fahrer mitzuführen und den zuständigen Personen auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen. Ist das Fahrzeug mit einem Kontrollgerät nach Anhang I oder IB zur Verordnung (EWG) Nr. 3821/85 oder einem Fahrtschreiber gem. § 57 a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) ausge- rüstet, haben Fahrer betreffender Fahrzeuge diese zu betreiben. Im Falle der Verwendung eines Fahrtschreibers gem. § 57 a StVZO hat der Fahrer die Schicht und die Pausen jeweils bei Beginn und Ende auf dem Schaublatt zu vermerken. Fazit Die Vorschriften zu den Lenk-, Arbeits- und Ruhezeiten des Fahrpersonals dienen dem Schutz und der Gesundheit der Fahrer sowie der Sicherheit des Straßenverkehrs und führen zu fairen Bedingungen im Wettbewerb. Übermüdete Fahrer gefährden sich und andere - samt Fahrzeuge und Ladung; Schlafmangel macht verkehrsuntüchtig! Hinweise für Fitness des Fahrpersonals und Pausen: Wiederholtes Gähnen, Augenbrennen, schwere Augenlider, unregelmäßige, ungewohnt ruppige Fahrweise, optische Täuschungen, Tunnelblick sind Anzeichen nachlassender Konzentration und ernst zu nehmende Warnzeichen von Müdigkeit. Sekundenschlaf: Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h legt das Fahrzeug über 22 Meter in der Sekunde zurück. Die meisten Kraftfahrer haben es bereits erlebt, kurz einnicken und für ein paar Sekunden unkontrolliert weiterfahren um danach aufgeschreckt zu erwachen und die Kontrolle über das Fahrzeug zu sichern. Hier ist eine sofortige Fahrtunterbrechung zwingend erforderlich. Wissenschaftler haben den Vergleich angestellt, dass o nach 17 schlaflosen Stunden die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit auf dem gleichen Niveau liegen, wie bei einem Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille. Das Unfallrisiko wird hierbei verdoppelt, o nach 24 schlaflosen Stunden die Reaktionen denen eines Autofahrers mit 1,00 Promille Blutalkohol entsprechen, o der Körper bei fortschreitender Müdigkeit Stresshormone produziert, die Fahrfehler wie ruckartige und überflüssige Lenkbewegungen, plötzliches Abbremsen und Unterschreiten des Sicherheitsabstandes verursachen. Ausgewogene Ernährung und ausgleichende Bewegung machen und halten fit.
max. 9 Stunden max. 10 Stunden 56 Stunden 90 Stunden