Motorradhelm
Laut ist out! Nicht jeder steht auf volle Dröhnung! Bekannte und häufig diskutierte Situation (Quelle dpa – 02.06.2015) Am Wochenende gleichen manche öffentlichen Straßen Rennstrecken. Vor allem in bergigen Regionen geben Auto- und Motorradfahrer ordentlich Gas. Das nervt vor allem Anwohner. Dabei stört die Anwohner auch der Lärm. Immer öfter werden deshalb Strecken von Gemeinden für Motorräder gesperrt - zum Verdruss der Zweiradfahrer. Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer, schätzt, dass die Zahl der gesperrten Strecken in den vergangenen Jahren zugenommen hat. „Bundesweit gibt es zwar keine einheitliche Liste mit einer Übersicht von gesperrten Strecken, ich gehe aber von 40 bis 50 Strecken aus“, sagt er. Der Bundesverband fordert strengere Richtlinien gegen laute Motor- räder, da sonst die Mehrheit der Biker unter der lauten Minderheit leide. „Auf dem Papier sind die Maschinen in den vergangenen Jahren immer leiser geworden“, sagt Holger Siegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Allerdings nur auf dem Papier. Denn die Messbedingungen sind genau festgelegt und werden modernen Motorrädern nicht unbedingt gerecht. „In freier Wildbahn können Supersportler bei hohen Drehzahlen auch mehr als 100 dB(A) erreichen“, sagt Siegel - bei erlaubten 80 dB(A), gemessen bei einer beschleunigten Vorbeifahrt aus 50 km/h im zweiten oder dritten Gang - aus einer Entfernung von 7,50 Metern. Siegel glaubt nicht, dass Strecken nur wegen des Lärms gesperrt werden, sondern wegen der Unfallhäufigkeit. Das hänge aber oft zusammen. „Wo es laut ist, wird oft auch sehr schnell gefahren.“ Das Schöne beim Motorradfahren ist für Siegel, der selbst Motorrad fährt, das Gleiten auf einer schönen Strecke - das funktioniere auch leise. Auch für Lenzen ist der Klang eines Motorrades nicht wichtig. Er hat aber Verständnis für Fahrer, die ihre Maschine nach der Motorcharakteristik wählen. „Motorräder klingen nun mal anders als Autos, die Motoren können nicht abgekapselt werden, und der Sound hat für viele Fahrer bestimmt seinen Reiz“, sagt Lenzen. „Motorradfahren hat in den meisten Fällen etwas mit Emotionen zu tun“, sagt Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit. Deshalb spiele auch der charakteristische Klang eine Rolle. Aus Gründen der Sicherheit hält er auch eine Mindestlautstärke für sinnvoll, damit Motorräder besser wahrgenommen werden. „Wie alle Kraftfahrzeuge müssen auch motorisierte Zweiräder im Rahmen ihrer Typprüfung einen Geräuschgrenzwert einhalten“, sagt er. Lärmbelästigung durch individuelles Fehlverhalten Ungeachtet der diskutierten Geräuschgrenzwerte für Motorräder bezüglich der Zulassungsvorschriften und hinsichtlich der Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften für mehr Lärmschutz (Zuständigkeit Bundesgesetzgeber) - Lärmbelästigungen werden insbesondere durch individuelles Fehlverhalten einzelner Verkehrsteilnehmer durch das Ausdrehen der Gänge beim Beschleunigen der Motorräder verursacht. Auf beliebten Motorradstrecken ist das für die Anwohner bei „Biker- Wetter“, besonders an Wochenenden und an Feiertagen, verständlicherweise oft unerträglich. Nicht angepasste und Lärm erhöhende Fahrweise, zum Beispiel unnötiges Beschleunigen und Abbremsen von Motorrädern, wird als besonders störend wahrgenommen. Aus Rücksicht insbesondere für die Anwohner beliebter Motorradstrecken deshalb unser Appell: Immer schön ruhig bleiben, denn Lärm macht krank und miese Laune und wer die Grenzen überschreitet, muss mit Kontrollen, Buß- geldern Punkten und Streckensperrungen rechnen. Aus Rücksicht – bitte Drehzahl runter! – unsere Beispiele von Streckenschildern in Baden-Württemberg.