Junge Fahrer
Car-Posing Man stelle sich vor … Sie sitzen am Sonntag in einer x-beliebigen Stadt, bei schönstem Wetter, in einem Straßencafe.  Ein hochfrisierter, getunter Sportwagen fährt mit langsamer Geschwindigkeit die Straße entlang. Auf ihrer Höhe - der Fußgängerbereich ist zu dieser Zeit stark frequentiert - schaut der Fahrer zu Ihnen herüber und gibt plötzlich Gas. Es entsteht ohrenbetäubender Lärm, es kommt zu Fehlzündungen und Sie fühlen sich, als ob neben Ihnen ein Flugzeug starten würde. Sobald Sie sich beruhigt haben, erscheint das nächste, in diese Kategorie passende Fahrzeug, und der „Spaß“ beginnt von neuem. Derartige Situationen spielen sich immer häufiger in deutschen Großstädten, zum Teil auch in kleineren Städten ab.                                                                                                   Diese Art, sich und sein Fahrzeug zur Schau zu stellen, nennt sich Car-Posing. Es wird vom Englischen to pose – sich darstellen – abgeleitet. Überwiegend jüngere Männer fahren mit aufgemotzten, auf ohrenbetäubende Lautstärke getrimmte Autos in Innenstädten Runde um Runde, um durch Aufheulen des Motors, mit quietschenden Reifen oder kurze Vollgas- Sprints aufzufallen und zu imponieren. Die Fahrzeuge sind mit Breitreifen auf auffälligen Felgen ausgerüstet und tiefergelegt. Teilweise werden Klappenauspuffanlagen oder Active-Sound-Booster verwendet. Die Klappenauspuffanlagen sind zum Teil serienmäßig und zum Teil werden sie verändert, so dass der Abgasstrom direkt, ohne Dämpfung, entweicht. Mit dem Einbau eines Active Sound Boosters wird das Klangbild individuell dem Fahrzeugmodell, dem Motormanagement sowie der entsprechenden Fahrsituation angepasst. Das Ergebnis: Ein authentischer Sound, der unabhängig vom Motor oder Veränderungen am Abgasstrang für größtes Hörvergnügen sorgt, so ein Hersteller. Als Ordnungswidrigkeiten nach der Straßenverkehrsordnung kommen in Betracht: Sie verursachten bei der Benutzung des Fahrzeuges unnötigen Lärm oder vermeidbare Abgas- belästigungen (§ 30 Abs. 1 StVO) - Verwarnung jeweils in Höhe von 10 Euro Sie belästigten Andere durch unnützes Hin- und Herfahren (§ 30 Abs. 1 StVO - falls es begründet werden kann) - Verwarnung in Höhe von 20 Euro Die Bußgeldbehörde hat die Möglichkeit, das Bußgeld bei vorsätzlichem Handeln zu erhöhen Bei völliger Uneinsichtigkeit wird das Verhalten an die Führerscheinstelle gemeldet, um die Eignung des Posers zum Führen von Kraftfahrzeugen zu überprüfen. Bei wiederholten Verstößen kann von der Behörde auch Zwangsgeld in beträchtlicher Höhe (z.B. 1000 Euro) angedroht werden. Kampagne gegen Lärm Lärm macht auf Dauer krank. Gemeinsam mit der Stadt hat die Polizei Mannheim reagiert und im Frühjahr 2016 eine bundesweit einmalige Kampagne gestartet mit dem Ziel, das Posing möglichst zu unterbinden. In einem abgestuften Modell, beginnend mit einem Hinweisschreiben an den Fahrzeughalter, sofern das Fahrzeug mindestens zweimal aufgefallen ist, und weiter mit der ge- samten Palette möglicher polizeilicher Maßnahmen bis hin zum Verwaltungszwang wird auf die Posing-Szene reagiert.                                                                                               Starker Kontrolldruck zu den Stoßzeiten, mediale Präsenz und Rückhalt bei der Stadt und bei den betroffenen Bürgern tragen zu den Erfolgen bei. Andere Großstädte wie Hamburg und Frankfurt orientieren sich an dem „Mannheimer Modell“. Video der Landesschau Baden-Württemberg zu Poser-Kontrollen der Polizei Mannheim. Poser, also Auto-Angeber, gibt es in Mannheim genug. Mit ihren aufgemotzten Autos fahren sie lautstark durch die Stadt und belästigen die Bürger. Jetzt gibt es gezielte Poser-Kontrollen der Polizei (veröffentlicht am 25.08.2016). Unzulässige Änderungen führen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis, etwa durch Modifikatio-nen am Schalldämpfersystem oder durch den Einbau einer Komplettanlage sowie Abtrennen oder Austausch von Teilen der Abgasanlage (Flexen von Dreiecken oder Quadraten, Ausräumen des Auspufftopfes usw.). Wichtig ist auch die Feuersicherheit, da Wärmereflektoren nicht entfernt wer-den dürfen und der Abstand zu Elektrik-, Brems- und Kraftstoffleitungen eingehalten werden muss.                           Beim Erlöschen der Betriebserlaubnis (die Umwelt ist wesentlich beeinträchtigt) werden Verstöße mit einem Bußgeld von 90 Euro geahndet, bei Vorsatz ggf. höher. Zusätzliche Kosten kommen auf den Verursacher für Abschleppdienst, Gutachter, Rückbau, Kosten bei der Zulassungsstelle usw. zu. Nicht jedes Tuning- oder Zubehörprodukt kann bedenkenlos gekauft und für eine Fahrzeug-Umrüstung eingesetzt werden. Neben vielen verantwortungsbewusst handelnden Unternehmen sind auf dem Tuning-Markt leider auch Anbieter von minderwertigen oder sogar illegalen Produk-ten zu finden, die mit unseriösen und scheinbar preiswerten Angeboten locken. Deshalb – nur Produkte mit gesetzeskonformen Zulassungspapieren kaufen – Finger weg von Teilen, für die ein Verkäufer keine ABE oder kein Teilegutachten anbieten kann. Ansonsten kann das billige Teil ein teurer Spaß werden, denn von illegalen Teilen können nicht einschätzbare Risiken und Gefahren ausgehen. Unter www.tune-it-safe.de erhalten Sie Tipps, Hinweise und Informationen zu den Themen Moto-ren, Reifen, Fahrwerke und Licht sowie über allgemeine Bestimmungen und Gutachten.
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