Junge Fahrer
Illegale Autorennen Sog. „illegale Autorennen“ liefern sich meist jüngere Männer. Mehrheitlich sind die Raser zwischen 18 und 27 Jahre alt, so die Kölner Verkehrspsychologin Daniela Rechberger: Es komme aber auch immer mal wieder vor, dass sich ältere Männer Rennen liefern. Es gehe ihnen häufig darum, mangelndes Selbstvertrauen auszugleichen und zu zeigen, dass man der Tollere, der Stärkere, der Bessere ist. Es vergehen (leider) regelmäßig nur wenige Tage, bis wieder ein illegales Autorennen mit gefährlichem Kräftemessen und fatalen Folgen, häufig für Unbeteiligte, über die Medien publiziert wird. Dabei fällt es schwer, hierbei nur die nüchternen Fakten zum Unfallhergang und den Folgen wiederzugeben, ohne jeweils das völlig unsinnige und zudem verkehrswidrige Verhalten irgendwelcher „Möchtegern-Rennfahrer“, die das Leben und die Gesundheit anderer offensichtlich völlig gedankenlos und nur auf den eigenen Spaß bedacht aufs Spiel setzen, anzuklagen. Um es nüchtern auf den Punkt zu bringen: Ans Limit darf es nur auf der Rennstrecke gehen – das weiß schließlich jeder Rennfahrer. Private, persönliche Rennen im öffentlichen Straßenverkehr dürfen von niemandem toleriert werden, schon gar nicht von Freunden und Bekannten der „Pseudo-Rennfahrer“, die häufig noch den Rahmen für diese Imponier-Events bieten und die Aktiven zu fraglichen Leistungen sogar noch animieren. Rechtliche Konsequenzen Bereits im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die als „Kudamm-Raser“ bekannt gewordenen Männer wurde von einigen Bundesländern gefordert, die bloße Teilnahme an einem illegalen Autorennen mit einer Freiheitsstrafe als Vergehen zu ahnden. Mit dem 56. Strafrechtsänderungsgesetz vom 30.09.2017 (BGBl  I, Seite 3532), ausgegeben am 12.10.2017, Inkrafttreten zum 13.10.2017, wurde § 315d StGB neu eingeführt wie folgt: § 315d StGB - Verbotene Kraftfahrzeugrennen (1) Wer im Straßenverkehr 1. ein nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen ausrichtet oder durchführt, 2. als Kraftfahrzeugführer an einem nicht erlaubten Kraftfahrzeugrennen teilnimmt oder 3. sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rück- sichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Wer in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 2 oder 3 Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (3) Der Versuch ist in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 1 strafbar. (4) Wer in den Fällen des Absatzes 2 die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (5) Verursacht der Täter in den Fällen des Absatzes 2 durch die Tat den Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen oder eine Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Gleichzeitig wurde der bisherige § 29 Abs. 1 StVO (Straßenverkehrsordnung) „Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten“ gestrichen. § 29 StVO - Übermäßige Straßenbenutzung (1) (entfallen) (2) Veranstaltungen, für die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, insbesondere Kraftfahrzeugrennen, bedürfen der Erlaubnis. Das ist der Fall, wenn die Benutzung der Straße für den Verkehr wegen der Zahl oder des Verhaltens der Teilnehmenden oder der Fahrweise der beteiligten Fahrzeuge eingeschränkt wird; Kraftfahrzeuge in geschlossenem Verband nehmen die Straße stets mehr als verkehrsüblich in Anspruch. Veranstaltende haben dafür zu sorgen, dass die Verkehrsvorschriften sowie etwaige Bedingungen und Auflagen befolgt werden. (3) […] In besonders schweren Fällen verbotener Rennen, wenn etwa die Tötung oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines Menschen die Folge dieser Handlung ist, kann die Tat zum Verbrechen werden. Dem Fahrer drohen in jedem Fall zusätzlich zur Strafe nach § 315d StGB bis zu drei Punkte, der Entzug der Fahrerlaubnis und die Einziehung seines Fahrzeuges oder das Fahrzeug eines anderen, mit dem er die Straftat begangen hat.  § 315d StGB richtet sich nicht nur an den Teilnehmer eines Rennens, sondern auch gegen den Veranstalter. Bestraft wird auch der Kraftfahrzeugführer, der grob verkehrswidrig und rücksichtlos das Geschwindigkeitslimit seines Fahrzeuges ausreizt, ohne an einem Rennen teilzunehmen. Dabei handelt grob verkehrswidrig, wer objektiv besonders gefährlich gegen Verkehrsvorschriften verstößt. Rücksichtslos handelt, wer sich aus eigensüchtigen Gründen bewusst über seine Pflichten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern hinwegsetzt oder gleichgültig gegenüber anderen ist. Bei der hohen Strafzumessung des § 315d StGB geht es nicht nur um die bloße Bestrafung überhöhter Geschwindigkeit. Die Teilnehmer verbotener Kraftfahrzeugrennen überschätzen sich häufig vollkommen und blenden im „Adrenalinrausch“ Risiken für sich und insbesondere auch Dritte aus. Für Sie haben die Rennen eine besondere (nicht akzeptable) Bedeutung und Wirkung beim wechselseitigen Kräftemessen und im unbedingten Bestreben, zu gewinnen. Dabei wird, vorsätzlich oder teils fahrlässig, gegen die übrigen Straßenverkehrsregeln in eklatanter Art und Weise verstoßen. Weitere mögliche Straftatbestände Nötigung Werden andere Verkehrsteilnehmer durch die „Rennteilnehmer“ etwa ausgebremst oder durch dichtes Auffahren in Verbindung mit Warnzeichen (insbesondere Lichthupe) „gezwungen“, den Fahrstreifen freizumachen (…Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung …), kommt eine Verurteilung nach § 240 StGB (Nötigung) in Betracht. Dies wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Da in diesem Zusammenhang auch Zweifel an der charakterlichen Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges begründet werden können, droht zusätzlich der Verlust der Fahrerlaubnis.                                                                    Bild: fotolia.com                                                          Fahrlässige Körperverletzung Da die Strafverschärfung bei Tod oder schwerer Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen oder eine Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen bereits in der Bestimmung enthalten ist, kommt in Tateinheit der Tatbestand einer fahrlässigen Körperverletzung gem. § 229 StGB mit einem Strafmaß von bis zu drei Jahren in Betracht. Unerlaubtes Entfernen von der Unfallstelle Beim unerlaubten Entfernen vom Unfallort  nach einem entsprechenden Verkehrsunfall wird zusätzlich der Tatbestand des § 142 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren erfüllt. Fahrerlaubnis – Entzug und drohende MPU Ungeachtet der drohenden „vorläufigen Entziehung der Fahrerlaubnis“ bei illegalen Autorennen droht dem Verursacher die Anordnung einer „medizinisch psychologischen Untersuchung“ als Voraussetzung für die von ihm zu beantragende Wiedererteilung der Fahrerlaubnis nach vorherigem Entzug, da bei der Teilnahme an einem illegalen Autorennen Zweifel an der charakterlichen Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges regelmäßig begründet werden können. Fallbeispiele Berlin – 2 Angeklagte werden wegen Mordes verurteilt  In Berlin wurden im Februar 2017 zwei „Kudamm-Raser“ wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin verursachten ein 28-Jähriger und ein 25-Jähriger am 1. Februar 2016 im Stadtzentrum von Berlin einen schweren Unfall, in dessen Folge ein 69- Jähriger Unbeteiligter starb. Die Angeklagten hätten das Mordmerkmal des gemeingefährlichen Tatmittels erfüllt. Sie hätten ihre schweren und PS-starken Autos nicht mehr unter Kontrolle gehabt und damit eine hohe Zahl von Menschen in Gefahr gebracht.              Aus dem Tatverlauf: Elf rote Ampeln wurden überfahren, als sich beide Angeklagte – H. H. in einem Audi A6 TDI mit 224 PS und M. N. in einem Mercedes AMG mit 380PS – ein Stechen auf Kurfürstendamm und Tauentzienstraße lieferten. Mit durchgedrückten Gaspedalen und mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde seien sie über den Boulevard gerast. Die hochgefährliche Hatz zog sich über zweieinhalb Kilometer hin. Am Ende kam es zu einem mächtigen Knall, zu einer Tragödie, bei der ein 69-Jähriger in seinem Jeep getötet wurde. Er hatte Grün, als sich der von H. H. gesteuerte Audi in die Seite bohrte. 70 Meter weit wurde die Karosse des Unfallopfers geschleudert. M. N. auf der benachbarten Spur prallte gegen ein steinernes Hochbeet, sein Wagen flog meterweit durch die Luft. Er blieb wie sein Kontrahent unverletzt. Aus der Urteilsbegründung: Es war kein Rennen auf einer Landstraße, sondern auf einer Hauptverkehrsstraße im alten Westberliner Zentrum, verdeutlicht der Richter. Der Kudamm ist auch nachts eine Flaniermeile. Beide Raser haben mit ihren hochmotorisierten Autos gemeingefährliche Werkzeuge eingesetzt. Sie nahmen die tödlichen Folgen billigend in Kauf. Auch Gleichgültigkeit genügt (nicht nur der Wille), um von einem Tötungsvorsatz zu sprechen. Deshalb erfolgte eine Verurteilung wegen Mordes. Und auch in einem weiteren Punkt greift das Gericht mit aller Härte durch. Beide Angeklagte dürfen nie mehr ein Fahrzeug steuern. Die Kammer verhängt eine lebenslange Führerscheinsperre. Üblich sind Fahrverbote von maximal fünf Jahren. Hier stellt die Kammer auf die Persönlichkeit der Angeklagten ab. Gegen sie wurden in den vergangenen Jahren jeweils mehrere Bußgeldstrafen verhängt, u.a. wegen Rasens. In Youtube-Videos bringt einer der Angeklagten seine Einstellung unmissverständlich zum Ausdruck: „Wir ficken die Straße und die Scheißwelt“, brüllt er in die Kamera und meint, „Bastardampeln“ könnten ihn nicht stoppen. Höchststrafe nach einer tödlichen Autofahrt – so etwas gab es in Deutschland noch nicht. In derartigen Fällen blieben die Unfallverursacher zumeist in Freiheit.                                                                                                                                                                                                                                        Quelle: Auszüge aus dem Beitrag unter                                                                                                       http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Lebenslang-fuer-Berliner-Raser_-Ohne-Sinn-und-Verstand-14515822.html ……………………………………………………………………………………………………………………………... Hagen – illegales Autorennen am 19.05.2016 Wieder einmal kamen Unbeteiligte zu Schaden (5 Schwerverletzte). Ein Junge kämpfte um sein Leben. Seine Schwester (11) und die Mutter lagen schwer verletzt im Krankenhaus. Ebenso ein weiterer Autofahrer und einer der mutmaßlichen Raser. Auf der Kreuzung in der Nähe der Fernuniversität Hagen standen  ein 46 Jahre alter Fahrer und ein 33-Jähriger an der Ampel und haben wohl spontan ein „Beschleunigungsrennen“ ausgemacht, so die Feststellungen der Polizei. Ob sie sich kannten, war bisher noch unklar. Als die Ampel auf Grün springt, rasten sie geradeaus los. Tempo 50 ist auf der vierspurigen Straße erlaubt – fast doppelt so schnell aber müssen sie unterwegs gewesen sein. Nach etwa 600 Metern begann hinter einer leichten Rechtskurve eine fatale Kettenreaktion.                              Eine 76-Jährige kommt mit ihrem Kleinwagen vom Parkstreifen am Rande der Straße, die mutmaßlichen Raser versuchen auszuweichen, der 46-Jährige verliert die Kontrolle und kollidiert auf der Gegenfahrbahn mit dem Auto der 37-jährigen Mutter. Sie und ihre beiden Kinder werden schwer verletzt. Ihr Wagen prallt gegen das Auto eines 30-Jährigen, das auf die Seite kippt. Dieser Fahrer wird ebenfalls schwer verletzt. Die Polizei Hagen spricht von „unfassbaren Kräften“, die auf die Autos gewirkt haben müssen. Es werde noch einige Zeit dauern, alles zu entwirren. Geklärt werden müsse, wer mit welchen Schuldanteilen beteiligt war. Quelle: dpa - Bild und Ausschnitte der Infos zum Unfall am 19.06.2016 in Hagen ……………………………………………………………………………………………………………………………... Karlsruhe – mutmaßliches Straßenrennen 6 verletzte Menschen, 5 demolierte Autos und mindestens 35.000 Euro Sachschaden lautet die Bilanz am Abend des 2.12.2015. Nach Angaben von Zeugen haben sich zwei Autofahrer ein Rennen geliefert. Auf einer Kreuzung kam es schließlich zu einer Kollision. Nach Ermittlungen der Polizei ereignete sich eine ganze Unfallkette. Zwei Männer im Alter von 21 und 22 Jahren rasten demnach mit ihren Wagen auf einer vierspurigen Straße stadtauswärts hintereinander und wechselten mehrfach die Fahrspuren. An einer Kreuzung mit Rotlicht stand auf dem linken Fahrstreifen ein 49 Jahre alter Mann mit seinem Wagen. Eine 45- jährige Frau näherte sich mit ihrem Auto auf dem rechten Fahrstreifen. Beim Wechsel auf "Grün" raste der 21-Jährige heran und versuchte mit einem abrupten Spurwechsel die versetzt anfahrenden Autos zu überholen. Er streifte beide Wagen und setzte damit wohl den folgenschweren Unfall in Gang. Die 45 Jahre alte Frau krachte mit ihrem Auto gegen einen Laternenmast. Der Wagen des 49-Jährigen wurde vom Auto des 22-Jährigen seitlich gerammt. Anschließend prallte das Auto des jungen Mannes frontal mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen, der sich überschlug. Dessen 48 Jahre alter Fahrer wurde schwer verletzt, ebenso der 49-Jährige. Die 45 Jahre alte Frau kam mit leichten Verletzungen davon. Im Auto des 22- jährigen mutmaßlichen Rennbeteiligten saßen Mitfahrer im Alter von 20 und 22 Jahren. Alle wurden verletzt. Der 21-Jährige flüchtete zunächst. Die Polizei konnte ihn aber wenig später stellen. Der 21-Jährige wurde nicht verletzt. Den beiden jungen Männern, die nach Zeugenaussagen das illegale Rennen veranstaltet hatten, drohen Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung. Dem Jüngeren wird außerdem Unfallflucht vorgeworfen. Ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren, war zunächst nicht bekannt. Quelle: Bild und Text zum Unfall: dpa ……………………………………………………………………………………………………………………………... Köln – Radfahrer von BMW erfasst Immer wieder verlieren unbeteiligte Menschen bei illegalen Autorennen ihr Leben. 2015 erlag ein 26-jähriger Kölner seinen Verletzungen. Er stand mit seinem Fahrrad an einer Kreuzung, als er von einem auf ihn zurasenden BMW erfasst wurde. Angeblich soll sich dieser ein Rennen mit einem Mini geliefert haben. Infolge illegaler Rennen wäre allein in Köln dies in fünf Monaten bereits der dritte Todesfall. ……………………………………………………………………………………………………………………………... Bremen – unbeteiligte Autofahrerin stirbt Eine 52-jährige Autofahrerin kam von der Straße ab, weil sie zwei Fahrzeugen ausweichen musste, die ihr auf der ganzen Straßenbreite entgegenkamen.  Sie starb nach der Kollision mit einem Baum und einem Laternenpfahl. Ihr Beifahrer erlitt leichte Verletzungen. Zeugen berichten von überhöhter Geschwindigkeit der beiden entgegenkommenden Fahrzeuge. Man vermutet die Veranstaltung eines Wettrennens. Nach dem Unfall setzten sie ihre Fahrt einfach fort. Nun droht den Fahrern eine Bestrafung wegen Unfallflucht, bewusster Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge. ……………………………………………………………………………………………………………………………... Rennen außerhalb von Städten Auch außerhalb von Städten ist das Problem bekannt. So hatten sich im Oktober 2015 an einem Tunnel im Harz bereits mehrere Autos zu einem Rennen aufgestellt, als die Polizei eingriff. Rund 300 Zuschauer hatten in Partystimmung an beiden Enden des Tunnels gewartet.                                                                                                                                                                                                                                              Es gibt sogar bevorzugte „Rennstrecken“. So werden beispielsweise auf der A81 in Baden-Württemberg zwischen dem Autobahnkreuz Hegau und der Ausfahrt Engen häufig Raser-Wettbewerbe festgestellt, nicht selten von Autofahrern aus der benachbarten Schweiz, die ihre leistungsstarken Fahrzeuge auf der Strecke ohne Tempolimits austesten wollen. "Wenn Sie ein Auto mit 400 PS haben und vom Kreuz Hegau voll beschleunigen, haben sie bei Engen 250 bis 300 Kilometer pro Stunde drauf", so der Polizeisprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. "Da wird dann der kleinste Fehler zum Verhängnis, ganz zu schweigen von den nicht absehbaren Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer, die plötzlich so einen Raser hinter sich sehen." Unfälle seien vorprogrammiert.“ Versicherung Kasko ist leistungsfrei, aber Haftpflicht verlangt Regress Bei Unfällen, die durch grob fahrlässiges Verhalten verursacht wurden, müssen Kaskoversicherer regelmäßig nicht leisten. Das ist besonders verständlich bei illegalen Autorennen. Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn in besonderer Weise die Straßenverkehrsregeln verletzt werden, die gebotene Sorgfalt in hohem Maße außer Acht gelassen wird oder nicht beachtet wird, was jedem einleuchtend ist. Der Geschädigte erhält jedoch regelmäßig die Leistung der Kfz-Haftpflicht. Wegen seines rechtswidrigen Verhaltens droht die Haftpflicht jedoch, den versicherten Verursacher in Regress zu nehmen. Bei gemieteten Sachen schließen private Haftpflichtversicherungen übrigens regelmäßig eine Leistungspflicht aus. Das betrifft also auch Schäden an Mietwagen, die bei Autorennen häufig verwendet werden. Reportage Illegale Autorennen - Mit Tempo 100 durch die Stadt - von Oliver Koytek Quelle: https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-reportage/illegale-autorennen-122.html (bis 19.02.2018 online) Die "ZDF-Reportage" schaut auf die "Cruiser-Szene", zeigt, wie es zu illegalen Autorennen kommt und was die Polizei tut, um sie zu unterbinden. Die Aussagen eines „Insiders“ der Szene haben wir Ihnen nachfolgend festgehalten: „Ich bin 29 Jahre, Leistungstuner, mein Auto hat über 500 PS. Wenn die Gelegenheit sich ergibt, fahre ich gerne schnell. Ich fahre auch gerne mal ein Rennen an der Ampel.“                   Der Freund schneller Wagen lebt in der Nähe von Köln. Was mit ihm und anderen passiert, wenn die Motoren aufheulen, beschreibt er so: „Das ist eine Sucht, dieses Gefühl zu haben, einen anderen zu dominieren. Das ist Adrenalin, das bringt Nervenkitzel. Ich glaub, das ist es, was süchtig macht und dieser Sucht gehe ich nach.“ Illegale Rennen hat er schon oft gesehen. Zwei bis drei Ampel- Rennen ergeben sich auch bei ihm pro Wochenende. Frage: Du fährst auch illegale Rennen. Wie findet so etwas statt? „Das findet eher im Affekt statt. Wenn man jetzt in der Stadt rumfährt, trifft man einen an der Ampel, wo man halt weiß: Das Auto hat auch Leistung. Dann guckt man einfach, wie der reagiert. Und dann merkt man: Okay, der will sich messen, der will es ausprobieren. Dann stellt man sich so ein bisschen darauf ein und gibt man einfach Knallgas an der Ampel.“  Wie gefährlich solche Rennen in der Stadt sind, weiß er. Dass durch seine Fahrweise auch Leben und Gesundheit anderer gefährdet werden spielt keine Rolle. „Wenn was passiert, dann würde ich mir Gedanken darum machen, was ist. Vorher ist mir das egal.                                                    Frage: Und die Betroffenen waren dann einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? „Ja, ist so.“ Es wundert ihn sogar, dass nicht noch mehr Unfälle wie in Berlin passieren. Heute seien Autos mit viel PS gebraucht immer billiger zu haben. Und die Szene würde ständig größer. Die Verkehrspsychologin Stephania Lanzillotta-Reichsstein hat oft mit Verkehrssündern in medizinisch- psychologischen Untersuchungen zu tun. Ihr wird in der Reportage das Interview gezeigt. Sie soll erklären, warum Raser sich über alle Regeln hinwegsetzen. Erstes Ergebnis: „Unser „Insider“ dürfte gar keinen Führerschein haben. Eine Fahrerlaubnis in Deutschland  ist immer an eine charakterliche Eignung in irgendeiner Form geknüpft. Was ich gesehen habe, hat alles andere als mit charakterlicher Eignung zu tun. Komplett ungeeignet auf ganzer Ebene.“ Anderen zeigen, dass man stärker ist, sei ein archaisches, typisch männliches Verhalten. „Wir hören ja fast nur von männlichen Rasern. Die Frauen sind ja meist schmückendes Beiwerk. Es geht natürlich um Männlichkeitsgehabe. Für manche Raser der einzige Weg, Erfolglosigkeit, z.B. im Beruf, zu kompensieren. Bußgelder und Fahrverbote verhindern da wenig. Wer sich über Regeln und Gesetze hinwegsetzt und den Tod noch nicht mal fürchtet, wer soll dadurch beeindruckt werden, dass er ein Fahrverbot bekommt? Wird er trotzdem machen. Ausschließlich die Karre festsetzen ist das, was diese Jungs aus der Szene beeindruckt. Das ist das Heiligtum.“ Ans Limit – nur auf der Rennstrecke! Sport und Spiel haben auf der Straße nichts verloren, nicht (nur) wegen der aufgeführten drohenden Strafen, sondern insbesondere, um folgenschwere Unfälle zu verhindern!                                                                                           Car-Posing „Poser“ sind nicht selten auch bei illegalen Autorennen beteiligt. Tagsüber wollen sie durch Schaufahrten in den Innenstädten mit möglichst viel Publikum imponieren und nachts illegale Straßenrennen auf gut ausgebauten Straßen gewinnen. Was ist Car-Posing? Überwiegend jüngere Männer fahren mit aufgemotzten, auf ohrenbetäubende Lautstärke getrimmte Autos in Innenstädten Runde um Runde, um durch Aufheulen des Motors, mit quietschenden Reifen oder kurze Vollgas-Sprints aufzufallen und zu imponieren. Die Fahrzeuge sind mit Breitreifen auf auffälligen Felgen ausgerüstet und tiefergelegt. Teilweise werden Klappenauspuffanlagen oder Active- Sound-Booster verwendet. Als Ordnungswidrigkeiten nach der Straßenverkehrsordnung kommen dabei in Betracht: Sie verursachten bei der Benutzung des Fahrzeuges unnötigen Lärm oder vermeidbare Abgasbelästigungen (§ 30 Abs. 1 StVO); Verwarnung jeweils in Höhe von 10 Euro. Sie belästigten Andere durch unnützes Hin- und Herfahren (§ 30 Abs. 1 StVO - falls es begründet werden kann); Verwarnung in Höhe von 20 Euro. Die Bußgeldbehörde kann das Bußgeld bei vorsätzlichem Handeln erhöhen. Unzulässige Änderungen führen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis etwa durch Modifikationen am Schalldämpfersystem oder durch den Einbau einer Komplettanlage sowie Abtrennen oder Austausch von Teilen der Abgasanlage (Flexen von Dreiecken oder Quadraten, Ausräumen des Auspufftopfes usw.). Wichtig ist auch die Feuersicherheit, da Wärmereflektoren nicht entfernt werden dürfen und der Abstand zu Elektrik-, Brems- und Kraftstoffleitungen eingehalten werden muss. Beim Erlöschen der Betriebserlaubnis (die Umwelt ist wesentlich beeinträchtigt) werden Verstöße mit einem Bußgeld von 90 Euro geahndet, bei Vorsatz ggf. höher. Zusätzliche Kosten kommen auf den Verursacher für Abschleppdienst, Gutachter, Rückbau, Kosten bei der Zulassungsstelle usw. zu. Nicht jedes Tuning- oder Zubehörprodukt kann bedenkenlos gekauft und für eine Fahrzeug-Umrüstung eingesetzt werden. Neben vielen verantwortungsbewusst handelnden Unternehmen sind auf dem Tuning-Markt leider auch Anbieter von minderwertigen oder sogar illegalen Produkten zu finden, die mit unseriösen und scheinbar preiswerten Angeboten locken. Deshalb – nur Produkte mit gesetzeskonformen Zulassungspapieren kaufen – Finger weg von Teilen, für die ein Verkäufer keine ABE oder kein Teilegutachten anbieten kann. Ansonsten kann das billige Teil ein teurer Spaß werden, denn von illegalen Teilen können nicht einschätzbare Risiken und Gefahren ausgehen. Unter www.tune- it-safe.de erhalten Sie Tipps, Hinweise und Informationen zu den Themen Motoren, Reifen, Fahrwerke und Licht sowie über allgemeine Bestimmungen und Gutachten.
Bild dpa: Tatort Tauentzienstraße Berlin - nach dem illegalen Auto- rennen wurde die Unfallstelle abgesperrt.  
Bild: fotolia.com
Motiv: Screenshot aus ZDF-Reportage
Ein Bild der Verwüstung: In einem der beiden Wagen saß eine Mutter mit ihren Kindern.
Quelle: PP Mannheim